Qualifikation Race across America

                             Bern-Bodensee-Bern

 

Freitag,04. Juli 2003. Als wir am Morgen die Augen öffneten ,regnete es. Beim Frühstück goss es wie aus Kübeln. Wir, das sind Tina und Artur, die mich im von Opel

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Das erfolgreiche Team
Artur,Peter,Tina

 

bereitgestellten Vivaro während des Rennens unterstützten, hatten in einer Schweizer Kaserne gut geschlafen. Gegen 10:00 Uhr, es hatte mittlerweile aufgehört zu regnen, trafen wir am Wankdorfstadion ( Start und Ziel ) ein, um die notwendigen Vorbereitungen für den Start zu treffen.

       

 Nudeln essen,Auto einrichten,Beine massieren.Notwendige Vorbereitungen direkt vor dem Start.

 

Um 12:45 Uhr war es soweit. 9 der 12 gemeldeten „RAAM Fahrer“ waren am Start, um sich zu qualifizieren. Ich war der Älteste und hatte 22 Std.45 Min. Zeit. Den Anderen blieben 21 Stunden und 15 Minuten. Pünktlich beim Start fing es an zu regnen. Ich setzte mich  sofort an die Spitze. Mit einem 37er Schnitt fuhr ich die erste Stunde. Die Organisation war zu Beginn perfekt. Begleitet von Motorrädern konnte ich zügig fahren. Nach ca.1 Stunde hatte es aufgehört zu regnen und die Bedingungen waren, außer dem relativ starken Wind, recht gut.

 

In Führung liegend,geht es flott voran

 

Nach 6 Stunden, über 200 Km waren gefahren, 1800 Höhenmeter bewältigt, lag mein Schnitt bei 34,3 Km/Std. Leider war mir am Kontrollpunkt in Ewaltingen ein Mißgeschick passiert. Ich hatte den Kontrollpunkt nicht gesehen und bin vorbei gefahren. Nach ca. 4 Kilometern plötzlich ein Hupen hinter mir. Tina und Artur, die am Kontrollpunkt gewartet hatten, wurden von den Begleitern des mir folgenden Fahrers aus der Schweiz auf mein Mißgeschick aufmerksam gemacht. Sie packten mich in’s Auto und fuhren mich an den Ort zurück, an dem ich mich verfahren hatte (ist nach den Regeln zulässig). Wertvolle Zeit, ca. 10 Minuten und die Führung waren verloren. Im weiteren Verlauf klappte die Kommunikation besser und so etwas ist uns nicht mehr passiert.

 



Am Bodensee war das Profil flach und das Tempo zügig

 

Die nächsten 190 Kilometer bis Sargans waren relativ flach und gingen größtenteils am Bodensee entlang. Es gäbe auch nichts besonderes zu berichten, wenn wir bei Kilometer 311 nicht einen Platten am Auto gehabt hätten. So musste ich die nächsten 40 Minuten ohne Begleitung auskommen. Tina und Artur hatten die Sache jedoch voll im Griff und nach dem Kontrollpunkt in Rheineck war das Team wieder komplett.

 



In der Nacht herrschen eigene Bedingungen

 

Kilometer 391 Sargans. Ich hatte mittlerweile wieder die führende Position. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 33 Km/Std. und 2510 Höhenmeter waren bewältigt. Die letzen 234 Km hatten es dann nochmals in sich. Bei Kilometer 460 kam ein Anstieg der ersten Kategorie. 13 Kilometer, 8-10%. Der höchste Punkt der Strecke, mit 932 Metern war erreicht.



Es regnete immer wieder,mal stärker,mal schwächer

 

Zu Beginn des Anstiegs hatte es wieder zu regnen begonnen und die Temperaturen lagen bei 10 Grad. Meine Knie, die beide leicht schmerzten versuchte ich mit 2 Beinlingen zu schützen. Eine Unachtsamkeit meinerseits kostete uns weitere, wertvolle Zeit. Mehr als 5 Minuten mußte ich in strömendem Regen  warten, bis die Sache geklärt war. Zu allem Überfluss kam der Schweizer an uns vorbeigefahren. Bis zum nächsten Kontrollpunkt bei Kilometer 523 konnte ich wieder einen kleinen Vorsprung herausfahren. Als Erster verlies ich den Kontrollpunkt. 300  Meter nach dem Kontrollpunkt hatte ein Scherzbold die Markierung entfernt. Dies hatte für uns zur Folge, daß wir uns verfahren hatten und ca. 2 Km und einen 6%igen Berg zuviel gefahren sind. Der Schweizer war am letzten Kontrollpunkt 5 Minuten vor mir angekommen, ohne mich überholt zu haben.

 



Artur sind die Strapazen der Nacht nicht anzumerken

 

Dies alles wußten wir natürlich noch nicht, als ich ernsthafte Probleme mit meinem linken Knie bekam. Die Kälte und die letzten knackigen Anstiege hatten ihm doch mehr zugesetzt, als ich dachte. Längere Zeit musste ich mit reduziertem Tempo fahren. Es waren noch 90 Kilometer. Mein Schnitt lag bei 31Km/Std. und ich hatte noch 4:45 Std. Zeit um im Zeitlimit zu bleiben. Die Schmerzen waren bei jeder Pedalumdrehung so unangenehm, daß ich mich entschloss, ein Schmerzmittel zu nehmen. Gerade als die Wirkung einsetzte, kam von hinten ein Fahrer regelrecht angesprintet und fuhr an mir vorbei. Wir waren alle total überrascht. Tina, die mir noch kurz vorher mit erhobenem Daumen, „alles klar“ signalisiert hatte, war genau so überrascht wie Artur und ich. Mit einer Tempoverschärfung konnte ich ihn jedoch gut hinter mir halten. Bis zum nächsten Kontrollpunkt, der noch ca. 30 Kilometer entfernt war entwickelte sich ein richtiges Rennen um die vermeintliche Führung. Ich war als erster am Kontrollpunkt. Auf der folgenden Abfahrt und dem langen Flachstück konnte ich wieder einen deutlichen Vorsprung herausfahren. Um so überraschter war ich, als er plötzlich wieder hinter mir war.  Ich ließ ihn nun auffahren und sagte ihm, dass ein Schweizer ca. 5 Minuten vor uns lag. Ohne weitere Manöver fuhren wir weiter.

 



Mit meinem Mitstreiter aus Lichtenstein fuhr ich den Rest der Strecke in's Ziel

 

Um 9 Uhr 49 Minuten fuhren wir gemeinsam in’s Ziel. Die offizielle Zeit wurde mit 21 Stunden und 4 Minuten protokolliert. Meine gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit auf dem Tacho lag bei 30,7 Km/Stunde. 625 Kilometer waren bei 4800 Höhenmeter gefahren.Mein Hauptziel, mich für den RAAM zu qualifizieren war geschafft. Mein zweites Ziel, einen 30er Schnitt zu fahren, ebenfalls. Meine Vision, einen neuen Streckenrekord zu fahren blieb eine Vision. Wie ich von Thomas Hügli, dem Hauptorganisator, erfahren habe, wurde dieser Rekord im letzten Jahr von einem Elitefahrer, der in einem Team gefahren ist, aufgestellt. Er hatte sich kurz vor dem Ziel von der Gruppe absetzen können.

 



Im Ziel wird die gute Nachricht erst einmal nach Hause gemeldet

 

Von den 9 gestarteten Fahrern haben 3 die Qualifikation geschafft. Bisher haben 25 Fahrer versucht, sich auf dieser Strecke zu qualifizieren. 8 Fahrern ist es gelungen. Das heißt, die Ausfallquote beträgt 68% und zeigt, wie schwer die Strecke ist. Besonders das letzte Drittel verlangt den Fahrern ein hohes Maß an Kraft und Ausdauer ab. Meine körperliche Verfassung war sehr gut. Die Muskeln in den Beinen taten zwar weh, dis ist jedoch nach solchen Belastungen normal. Sitzprobleme hatte ich keine. Dies führe ich unter anderem auf den Einsatz in den Hosen zurück. Er bietet optimale Belüftung bei hohem Sitzkomfort. Das Sitzproblem, das mir in der Vergangenheit Probleme bereitet hatte, ist gelöst.

Ich möchte mich nochmals bei meinem Team, Tina und Artur recht herzlich bedanken. Ohne euch hätte ich das nie geschafft. Vielen Dank für eure tolle Unterstützung. Ich freue mich, euch beim RAAM im Team zu wissen.



Tina und Artur. Ohne die Beiden hätte ich es nicht geschafft

 

Am 18. August werde ich noch die 1200 Kilometer Paris – Brest - Paris fahren. Danach beginnt die heiße Phase der Vorbereitung für, meine bis dato größte ,sportliche Herausforderung, das

Race across America

 





 

Technische Daten:

 

Rad

Cannondale 26"

Begleitfahrzeug:

Opel Vivaro 1,9 TD

Distanz:

625 km

Durchnittsgeschwindigkeit:

30,7 km/Std.

Höhenmeter:

4800 m

Durchnittspuls:

133 Schläge/Minute

 

 

 

 

Bekleidung:                           Fa. Sportful

 

 

Verpflegung:

2x 0,75 Liter Competition von Xenofit
4x 0,75 Liter Apfelschorle
3x 0,75 Liter Tee mit 100 g Honig
3x 0,75 Liter Cola
2 Bananen
5 Scheiben Brot mit Käse
2 Scheiben Brot mit Salami
5 Power Gel
4 x Eiweissdrink mit Glutamin
6 x 2 Gramm BCAA’s
6 Stückchen Schokolade
1 Stück Appenzeller Kuchen 75 Gramm
3 Stück Energieriegel von Aldi